Ioannis Zografos, EPP TV

Fake News oder Falschnachrichten sind grundsätzlich nichts wirklich Neues! Es gibt sie schon seit Hunderten von Jahren. Es ist nur die Geschwindigkeit der Verbreitung, die sich geändert hat. Davon ist Ioannis Zografos, Leiter und Managing Producer der Web-TV-Plattform der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europäischen Parlament, überzeugt.

Die EVP ist eine europäische politische Partei, die sich aus christlich-demokratischen und konservativ-bürgerlichen bis hin zu nationalkonservativ-rechtspopulistischen Mitgliedsparteien in der Europäischen Union zusammensetzt. Ioannis Zografos, der für die Videokommunikationsstrategie der EVP verantwortlich ist, spricht mit TheNewsMarket über gefälschte Nachrichten und wie die EVP-Fraktion damit umgeht.

Auswirkungen von Internet-Entwicklung und Social Media auf die politische Kommunikation

In der heutigen, sich rasant verändernden Medienlandschaft ist, so Ioannis Zografos, “die größte Herausforderung die umwälzende Weiterentwicklung des Internet und der Social Media, die das Betätigungsfeld der politischen Kommunikation dramatisch beeinflussen.”

Für die EVP-Fraktion sind Social Media nicht nur eine Publikationsplattform für ihre Ansichten und Meinungen, sondern ein wichtiger Vertriebskanal für qualitativ hochwertige Inhalte. Ioannis Zografos sagt: “Unsere Rolle in der politischen Kommunikation besteht nicht nur darin, Videos für soziale Medien bereit zu stellen, die über unterschiedliche Qualitäten und Eigenschaften verfügen, sondern auch TV-Beiträge und Videos anzubieten, die Nachrichtenmedien, vor allem Fernsehsender, nutzen können.”

Das Fake-News-Phänomen

Fake News haben eine wichtige Rolle bei den jüngsten politischen Kampagnen in Frankreich und den USA gespielt. Doch Ioannis Zografos meinte gegenüber TheNewsMarket auch, dass das kein neues Phänomen ist. “Fake News gibt es seitdem die Menschheit in der Lage ist zu kommunizieren, aber die Herausforderung heute ist ihr Einfluss und die Geschwindigkeit, mit der sie sich ausbreiten. Es dauert nur einen Bruchteil einer Sekunde für eine gefälschte Nachricht, um im Internet viral zu werden. Fake News ist eine Herausforderung für jede politische Organisation, die ihre Botschaft kommunizieren will. Organisationen müssen dieses Phänomen berücksichtigen und einen eigenen Stab einrichten, um im Zweifelfall damit umzugehen zu können.”

Wie gehen also Unternehmen und politische Gruppierungen wie die EVP bei der Bekämpfung von gefälschten Nachrichten vor? “Wir sind uns der entscheidenden Bedeutung bewusst, unmittelbar auf irgendwelche falschen Nachrichten reagieren zu können, die unsere Kampagnen und unsere politische Position beeinflussen. Zuallererst versuchen wir natürlich pro-aktiv zu handeln, indem wir bereits von vornherein korrekte Informationen liefern.”

Er fügt hinzu: “Im Fall einer Fake News Attacke auf unsere Kampagnen oder unsere Position stehen wir bereit, sofort zu reagieren. Wenn wir eine falsche Nachricht erkennen, die dabei ist viral zu werden, versuchen wir, die richtigen Informationen in den Vordergrund zu stellen und ihnen eine Verbreitung im gleichen Maß zu ermöglichen, wie sie die gefälschte Nachricht erfahren hat, was technisch nicht immer einfach ist, aber wir arbeiten hart daran, das zu erreichen. Das Wichtigste ist, Mitarbeiter mit einem umfassenden politischen Bewusstsein zu haben, die in der Lage sind, die richtigen Antworten sofort zu liefern, sobald die gefälschte Nachricht zum ersten Mal erscheint.”

Die Abwehr beginnt…

Nach Ansicht von Ioannis Zografos ist Transparenz der Schlüssel zum Erfolg, und die Positionen und Strategien der EVP-Fraktion müssen in Videos und in Social Media-Kampagnen klar und korrekt erläutert werden.

“Tools wie unsere online newsroom, aufgebaut und verwaltet von TheNewsMarket, spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der richtigen Informationen an unser Publikum und in die Medien. Es ist wichtig, dass unsere Botschaft richtig verstanden wird.”

Ioannis Zografos wies auch darauf hin, dass das Ziel der gefälschten Nachrichten oft eher persönlich als politisch motiviert sein kann, denn politische Themen neigen eher dazu, eine Debatte zu eröffnen als sie zu beenden.

“Die Leute, die falsche Nachrichten verbreiten, wollen politische Debatten vermeiden, sie wollen keine politische Konfrontation. Ein Beispiel: Vor ein paar Monaten gab es ein Gutachten, das vom Europäischen Parlament herausgegeben wurde, und da kamen einige Fake News dabei heraus … sie besagten, dass dieses Gutachten die orthodoxen Religionsländer wie Griechenland, Bulgarien, Rumänien zum Beispiel verändern würde und dass sie nicht länger in der Lage sein würden, ihre Religion zu praktizieren. Wir haben sofort reagiert und erklärt, was das Gutachten tatsächlich besagte und dass es nichts mit der falschen Behauptung dieser Medien zu tun hatte.”

Ioannis Zografos glaubt, dass große Social-Media-Plattformen und ISPs wie Google, YouTube, Instagram, Twitter und Facebook mehr tun müssen, um falsche Nachrichten zu bekämpfen.

“Das Problem ist, wenn Sie zwei Milliarden Nutzer haben und jede Sekunde so unendlich viele Beiträge veröffentlicht werden, ist es technisch sehr schwierig, all dies zu verwalten. Das kann ich gut nachvollziehen, aber man kann sich auch nicht nur auf einen Algorithmus verlassen, wie es heute häufig passiert, um herauszufinden, was eine Fake News ist, was beleidigend sein könnte, was terroristische Propaganda ist oder was nicht.

Sie können sich nicht auf Algorithmen verlassen, weil ein intelligenter Hacker oder ein Social Media Freak damit betrügen kann. Facebook hat etwa 4.000 Mitarbeiter, die an diesen Themen arbeiten, aber ich denke, das ist keine Frage der Zahl, sondern eine Frage des Wissens. Sie brauchen kompetente, vorausschauende und gut informierte Menschen, die das kulturelle und intellektuelle Niveau haben, um damit umgehen zu können, was derzeit nicht immer der Fall ist.”

Er fügt hinzu: “Die Freiheit der Meinungsäußerung ist ein grundlegendes Menschenrecht. Es geht um die Freiheit für jedermann, verschiedene politische und andere Meinungen zu veröffentlichen. Allerdings müssen grundlegende Mediengesetze für Social-Media-Plattformen und ISPs gelten, wenn sie es Nutzern erlauben, abwertende oder verleumdende Inhalte, beleidigende Texte oder Videos zu veröffentlichen. Im Fall der Verbreitung einer gefälschten Nachrichten sollten auch Social Media – wo immer anwendbar – der Verantwortung der Verleger unterliegen. Sie müssen auch der beleidigten Partei das Recht auf Gegenrede im gleichen Umfang wie die beleidigenden Stellen zusichern.

     Zum Beispiel gibt es  einen Kanal auf YouTube (vielleicht ist er aber auch mittlerweile offline), der behauptet, dass jeder Mann ein Vergewaltiger ist. Wie kann so etwas möglich sein? Wenn man bedenkt, dass YouTube (das im Besitz von Google ist) ungefähr 6 bis 7 £ für jeweils 1.000 Klicks bezahlt und dieses Geld auch für solche widerlichen Videos bezahlt, ist das unglaublich: Wie kann man Leuten Geld bezahlen, die Hassreden oder rassistische und terroristische Propaganda verbreiten?”

Zu guter Letzt

Schließlich haben wir Ioannis Zografos noch gefragt, was die Europäische Union gegen falsche Nachrichten macht und ob es irgendwelche Gesetze gibt, um diejenigen zu verfolgen, die Fehlinformationen verbreiten?

“Es gibt Vorschriften. Die Allgemeinen Datenschutzbestimmungen (GDPRs) werden im nächsten März aktualisiert und verbessert, um näher an der heutigen Realität zu sein. Um gefälschte Nachrichten zu bekämpfen, gibt es eine Task Force im Ministerrat und das Twitter-Konto “@EUvsDisinfo” (EU Mythbusters), das sich vor allem mit gefälschten Nachrichten aus Russland beschäftigt, aber auch die EU kann darauf zurückgreifen.”

Er kommt zum Schluss: “Vor einem Jahr hat zudem die EU-Kommission eine Vereinbarung mit den großen Social-Media-Plattformen unterzeichnet, die davon ausgeht, dass diese in der Lage sind, Kundenaccounts innerhalb von 24 Stunden (nachdem Ihnen ein Missbrauch zur Kenntnis gelangt ist) offline zu schalten, wenn dort Hassreden verbreitet werden. Trotz einiger Fortschritte waren die bisherigen Ergebnisse allerdings nicht sehr ermutigend, da weniger als die Hälfte der Fälle entsprechend behandelt wurden.”

Das Phänomen Fake News wird nicht so bald verschwinden. Aber es ist eine Tatsache, dass Marken, Unternehmen und auch politische Gruppierungen wie die EVP-Fraktion sowie die Gesellschaft als Ganzes nach Stand der Dinge ganz klar von einer Aktualisierung der bestehenden EU-Gesetzgebung profitieren.

Video: Das EVP-TV-Team in seinem Studio in Brüssel
Ioannis Zografos (Managing Producer), Evelyne Matthys (Kamera / Schnitt und Studiotechnik), Laura Barrios (Produktionsassistentin), Chris Burns (freier Journalist), Julian Hale (freier Journalist) und Vertreter der Partner-Firmen Hans Deforce (Headline NPF) und Dieter Krauthausen (Agentur Ost-West)